Rückblick: Debattierclub zum Heimat-Begriff - Freie Universität Oberhausen
FREIE UNIVERSITäT OBERHAUSEN

RüCKBLICK: DEBATTIERCLUB ZUM HEIMAT-BEGRIFF

Am 4. Juli 2019 traf sich der Debattierclub der philosophischen Fakultät V zum letzten Mal für dieses Semester im Supermarkt der Ideen in Oberhausen-Mitte.

Es folgte eine sehr kritische, aber auch emotionale Auseinandersetzung mit dem Begriff "Heimat", zu dem am Ende der Veranstaltung auch das Publikum nachdrücklich Stellung bezog.

Unsere Gäste vertraten dabei recht unterschiedliche Standpunkte, was damit zusammenhängt, dass Heimat als Begriff in verschiedenen kulturellen und historischen Kontexten sehr unterschiedliche Bedeutungen mit sich bringt.

So vertrat Theaterwissenschaftler Florian Thamer aus Berlin die These, dass der Heimatbegriff in Deutschland aus seiner historischen Entwicklung heraus untrennbar mit Nationalismus, Ausgrenzung und daraus resultierend auch Rassismus verknüpft sei. Dementsprechend gelte es für Thamer, den Begriff vor allem rhetorisch zu meiden.

Mohammad Mustafa kam da zu einem anderen Schluss und hob vor allem den Schutzstatus einer kurdischen Heimstätte in Nahost hervor, da Kurd*innen sowohl in der Türkei, in Syrien, dem Irak als auch im Iran durch die dortigen Regime systematisch diskriminiert und teils bekämpft werden. Auch mit Blick auf Mustafas Fluchtgeschichte, von Afrin nach Deutschland, speist sich ein sehr tiefes und positives Heimatgefühl.

Kulturwissenschaftlerin und Autorin Mithu Melanie Sanyal aus Düsseldorf hob die Ausgrenzung von Minderheiten hervor, die sich insbesondere durch eine Bewertung des Aussehens und der Hautfarbe regelmäßig rassistischer Stereotype bediene. Bei diesen Abläufen spiele der Heimatbegriff eine entscheidende Rolle, da er die inneren und äußeren Grenzen definiere, wobei der Satz "woher kommst du eigentlich" Sinnbild eines anti-inklusiven Bewusstseins sei.

Da Kati Zotter von der Jungen Union NRW krankheitsbedingt ausfiel, stieß Heidi Scholz-Immer spontan zur Diskussionrunde hinzu und berichtete u.a. von ihren Erfahrungen in den USA, in denen sie Rassismus und Nationalismus erlebte - im Kontext eines übersteigerten Heimatbewusstseins. Für Scholz-Immer ist der Begriff trotzdem nicht pauschal negativ aufgeladen und kann durchaus auch positive Gefühle vermitteln, die sich besonders auf lokaler Ebene des Ruhrgebiets äußern.

Durch das Programm führte unser Dekan Schmalle und die Welt als Moderator und kritischer Stichwortgeber.

Wir möchten uns bei den zahlreichen Besucher*innen aller vier Debattierrunden bedanken und hoffen, euch auch im nächsten Semester als Teil von differenzierten und stets kritischen Diskussionen begrüßen zu dürfen.