Rückblick: Auftakt zu Sport & Bier - Freie Universität Oberhausen
FREIE UNIVERSITäT OBERHAUSEN

RüCKBLICK: AUFTAKT ZU SPORT & BIER

Hartmut Hering, Herausgeber des Standardwerks zum Ruhrgebietes-Fußball (Im Land der tausend Derbys) war am Freitag, den 17. Mai im Supermarkt der Ideen zu Gast. Zum Auftakt des Seminars „…und wenn der letzte Platzwart stirbt? Fußball-Tradition vs. Kommerz“ gab er einen fundierten und von historischen Aufnahmen begleiteten Vortrag zur historischen Entwicklung des Fußballs in der Region.

Deutlich wurde dabei, dass Fußball in seinen Ursprüngen ab den 1880er-Jahren ein von Bürgerlichen ausgeübter Sport war, der sich nach und nach zum Sport der Arbeiterklasse entwickelte. Der Durchbruch zum Massensport wird auf die 1920er-Jahre datiert, wobei Schalke 04 als erster konkurrenzfähiger Ruhrgebiets-Club klar dominierte – selbst in Dortmund jubelte man damals dem Schalker Kreisel zu. Es folgten die Jahre der engen sozialräumlichen Verknüpfung zwischen Fußball und Quartier – man lebte und arbeitete in der Bergbau- und Hüttenindustrie des eigenen Kiezes und identifizierte sich dementsprechend mit den lokalen Clubs aus Altenessen, Horst-Emscher oder Herne-Sodingen. In den 1960er-Jahren rutschte der Ruhrgebiets-Fußball in die Krise. Die besondere Bedeutung der Ruhrgebiets-Fußballvereine sei zeitlich untrennbar an die besonderen gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geknüpft gewesen, die sich mit dem Niedergang des Bergbaus aufzulösen begannen, so Hering. Da die Förderung durch die Zechenherren ausfiel, mussten sich zahlreiche Vereine auflösen, da die Städte sich mit ihrer Förderung in der Folge auf einen Verein konzentrierten – in Oberhausen fiel die Wahl auf Rot-Weiß Oberhausen, in Essen auf Rot-Weiss Essen. Durch die weiter voranschreitende Professionalisierung des Fußballs mit der Gründung der Bundesliga im Jahr 1962 konzentrierte sich das Feld weiter – eine Entwicklung, die sich durch den internationalen Wettbewerb in der Champions League immer weiter verschärft. Herings Einschätzung: Im Revier ist nur Platz für zwei große Vereine – derzeit der BVB und der S04. Nur RWE hätten nach Hering noch die Chance, wieder oben mitzuspielen, weil der Essener Nachbar die nötige Historie (Meisterschaft und Pokalsieg) aufweisen könne. 

Vier Stunden – und damit weit mehr Zeit als angedacht - verbrachten die Studierenden im Supermarkt und hatten viele Fragen an den externen Dozenten, unter anderem zur Zusammensetzung der ersten Ruhrgebiets-Mannschaften und damaligen Rivalitäten.